Verkehrsknotenpunkt im Osten Pommerns Fuhr man mit der Ostbabn von Berlin nach Königsberg Pr., so kam man auf weiten Strecken durch die
Restprovinz Grenzmark-Posen-Westpreußen. Ein leicht welliges, abwechslungsreiches Land breitete sich zu beiden Seiten der Bahnstrecke aus. Wiesen, Felder, Kiefern- und Mischwälder, Flußläufe und alte Flußarme zeigten
sich in bunter Folge dem Reisenden. Zwischen Landsberg an der Warthe und Schneidemühl kam man durch einen großen Bahnhof, hinter dem der Durchreisende leicht eine größere Stadt vermutete. Aber dieser Bahnhof war ein
großes Verkehrskreuz mit nicht allzu viel Hinterland. Verkehrskreuz - daher der Ortsname Kreuz a. d. Ostbahn.
Hier schnitten sich die Verkehrslinien der Ostbahn mit der Nord-Süd-Verbindung Stettin-Posen. Später kam die Bahnlinie Kreuz-Schwerin a. d. Warthe hinzu, so daß dieser Kreuzungspunkt noch mehr an Bedeutung gewann.
Es gab natürlich schon vorher
hier einige Dörfer, die zum Teil aus ehemals polnischen Siedlungen hervorgegangen sind, zum Teil durch die Besiedlung des Netzedistrikts durch Friedrich dem Großen entstanden sind. Buschlukatz war das Dorf, das der
späteren Stadt Kreuz am nächsten lag. Von Kreuz bis zur polnischen Grenze waren
es nur etwa zwei bis drei Kilometer. Die Netze war hier zugleich die Grenze. Wo die Drage in die Netze mündet lag die “Süße Ecke“. Der Sage nach war vor langem ein mit Zucker beladender Kahn an dieser Stelle
untergegangen, daher der Name.
Kreuz entwickelte sich langsam aber stetig aufwärts und zählte im Kriege etwa 6300 Einwohner. Es gab eine evangelische und eine
katholische Kirche. Schon in den 20er Jahren hatten die damaligen Gemeindeväter eine Mittelschule eingerichtet, die sich auch aus dem umliegenden Dörfern eines guten Zuspruches erfreute. Ja, es war ein kleines und junges Städtchen. Aber jeder der dort zu Hause war wird mit Wehmut all der verlorenen Schönheit gedenken.
Fritz Wiesmüller
Eine Erinnerung an Kreuz an der Ostbahn von Fritz Wiesmüller
Gruß aus Kreuz
Kreuz ist Ende des 19. Jahrhunderts erst durch den Bau der Ostbahn entstanden.
Diese 3 Bilder wurden von G. Kietzmann Kreuz/Neubrandenburg zur Verfügung gestellt
Wer von den Kreuzern erinnert sich nicht gerne der Promenade am Kaisersee? Hier ging man durch das Gebiet des Dorfes Buschlukatz, rechter Hand lag das Dorf selbst.- Ach ja, der
Kaisersee! Ziel der Jugend, sofern sie nur erst einigermaßen selbständig war und auch schon einmal ohne elterliche Beaufsichtigung im Wasser paddeln konnte. Wer weiß noch von der ersten Badeanstalt, die wie ein
Pfahldorf im Wasser lag und in der das Baden einen besonderen Reiz durch diese Umstände hatte. Später allerdings wurde ein schönes Strandbad gebaut, soweit ich mich erinnere, nach dem Vorbild der Stadt Woldenberg. Noch
später, nach 1933, wurde ein Sportplatz angelegt, der aber durch die Kriegsereignisse nicht mehr recht ausgenutzt werden konnte.
Wenn die Schützen zum Kaisersee marschierten war der ganze Ort auf den Beinen.
Kinderbelustigung, Platzmusik aus dem Pavillon und Tanz in der Tanzdiele brachte jung und alt bis in die Nacht hinein in Bewegung.
Drogerie Wiesmüller, Wilhelmstraße 16
( Foto: Wiesmüller )
Lubow-See
Nicht weit von hier lag das große Haasesche Sägewerk, das einen eigenen Hafen für die Holzverladung besaß. Ging man von hier aus zurück zur Stadt, dann konnte es passieren, daß man
recht unangenehme Düfte in die Nase bekam. Urheber dieses “Parfüms“ war die Stärke-Fabrik. Sie hatte einen eigenen Gleisanschluß und stellte ein beachtliches wirtschaftliches Unternehmen für die Gemeinde dar.
Wilhelmstraße, Blick Richtung Bahnhof
Wer von den ehemaligen
Schülern erinnert sich nicht gerne des Stud. -Ass. Meyer, der heimatliche Studien betrieb und u. a. eine Heimatschrift über den Netzekreis verfaßt hatte? Oder des Konrektor Marten, oder des Physiklehrers Bünning?
In
den 30er Jahren wurde eine neue Volksschule auf dem ehemaligen Sportplatz gebaut, die im Kriege als Lazarett Verwendung fand. Mehrere größere Bauunternehmungen, ein großes Schlachthaus und eine Abdeckerei
vervollständigen das wirtschaftliche Bild einer regen Gemeinde.