9. PKST-Sommertagung im Bismarckschloss in Varzin Margrit Schlegel Der Pommersche Kreis- und Städtetag und die Heimatkreise sind immer wieder auf Spurensuche in unserer hinterpommerschen Heimat. Sie stellen Kontakte her zwischen den heute dort lebenden Menschen und den aus diesem Gebiet Vertriebenen. Auf der Grundlage der geschichtlichen Wahrheit sind sie bemüht um eine bessere Verständigung auf der Ebene von Kirche und Kommune. Dafür sprechen jährlich zwei Tagungen, durchgeführt vom PKST, die eine in Külz und die andere in Varzin, zwei Orte, die mit der Person Otto von Bismarcks eng verbunden sind.So führte uns unsere Sommertagung, bereits die neunte in Folge, vom 16.-21.07.2006 wieder in das Bismarckschloss in Varzin. Hier erlebten die fast vierzig Teilnehmer bei herrlichem Hochsommerwetter interessante Begegnungen und die schöne hinterpommersche Landschaft. Blauer Himmel, weiße Wolken und Sonne, so weit das Auge reicht, gelbe Kornfelder, die kurz vor der Ernte stehen, und herrliche unendlich erscheinende Wälder, vor allem im Rummelsburger Land, diese Eindrücke aus unserer Heimat haben wir mit nach Hause gebracht. Hinzu kommen die Begegnungen mit den Menschen, mit Peter Manka in Varzin, dem stellvertretenden Landrat aus Stolp, dem Bürgermeister von Hammermühle, den Deutschen Freundeskreisen in Rummelsburg und Bütow, dem Bürgermeister von Bütow und dem Pfarrer von Groß Tuchen, um nur einige zu nennen. Im Weißen Salon des Schlosses wurden wir von Peter Manka, dem stellv. Landrat aus Stolp und dem Bürgermeister von Hammermühle, zu dem Varzin gehört, herzlich begrüßt. Sie freuten sich, wie auch die PKST-Präsidentin, über das Wiedersehen, das, wie in den Jahren zuvor in freundschaftlicher Atmosphäre stattfand. Ein Gesprächsthema war die restaurierte Remise im Schlosspark. Bei unserem Aufenthalt im vergangenen Sommer konnten wir den Abbruch miterleben. Unter Verwendung der historischen Bauelemente wurde sie in nur wenigen Monaten Bauzeit wieder aufgebaut. Die Innenarbeiten sind in vollem Gange. Sie sollen bis Mitte September beendet sein, denn dann erfolgt die feierliche Übergabe an die Forstschule. Hierzu hat uns der Landrat bereits jetzt eingeladen. Wir durften die Remise besichtigen. Sie wird als Tagungsstätte mit einem großen Seminarraum, einem Museumsraum, der auch für Ausstellungen gedacht ist, geplant. In der oberen Etage sind Zimmer für die Referenten vorgesehen. Der gepflasterte und schön angelegte Innenhof ist für sommerliche Begegnungen geeignet. Die Kosten der Restaurierung und der Einrichtung kommen aus EU-Mitteln, hiervon wird ebenfalls der Wiederaufbau der Kirche aus Techlep im Schlosspark finanziert. Die einzelnen Bauelemente lagern seit dem Abbruch in Varzin. Eine weitere Neuentdeckung konnten wir im Park neben der "Johannaquelle" finden, den "Engelteich". Bei Bauarbeiten wurden Teile des Engels gefunden, der nun restauriert den Teich ziert. Bei unserem weiteren Rundgang besuchten wir auch die Grabstätte der Familie von Bismarck auf dem Richtberg und die zu Ehren des Initiators der Varziner-Tagungen, Hans-Günter Cnotka, gepflanzten Eichen.
Mit einem klimatisierten Bus, der bei den hochsommerlichen Temperaturen unsere Exkursionen in Pommern angenehm machte, starteten wir auf den Spuren Otto von Bismarcks in den Kreis Rummelsburg. Zunächst nach Alt Kolziglow zur Traukirche Otto von Bismarcks und Johanna von Puttkamers. Die Familie von Puttkamer, Versin, hat für die Kirche zwei neue Fenster gestiftet, die das Familienwappen tragen. An dem Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg, das vor der Kirche steht, wurde an der Stelle, wo einmal die Namen der Gefallenen standen, eine Tafel angebracht mit einem Bibeltext in polnischer Sprache. An anderer Stelle auf dem Kirchhof befindet sich das Werk eines Kösliner Künstlers, hier sind die Reste der geretteten Namenstafeln zu lesen. Vorbei an Reinfeld, dem Gutshaus in dem Johanna von Puttkamer ihre Jugendjahre verbrachte, fuhren wir weiter nach Rummelsburg zum Treffen mit dem dortigen Vorsitzenden des Deutschen Freundeskreises, Alfons Rekowski, und der Tanzgruppe. Wir machten Rast auf dem schattigen Schießplatz, und nach dem Wildschweinbratenessen erfreute uns die Tanzgruppe mit pommerschen Tänzen. In Groß Schwirsen legten wir am Gedenkstein zu Ehren unserer in heimatlicher Erde ruhenden Toten einen Kranz nieder. Natürlich besuchten wir auch die Bernsteinschleiferei, bevor es dann Kaffee und Kuchen im Hotel Podewils in Krangen gab. Wie man an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz erkennen konnte, ist hier ein beliebtes Reiseziel für Deutsche. Bei den hochsommerlichen Temperaturen verlagerten wir unsere abendlichen Gespräche vom Clubraum in den Varziner Park. Der Besuch von Stadt und Kreis Bütow stand am nächsten Tag auf unserem Programm, und zwar unter der Regie des Heimatkreisbearbeiters von Bütow, Horst Ludwig und der Vorsitzenden der Deutschen Minderheit in Bütow, Frau Violetta. Wir trafen uns auf der Burg und besuchten zunächst gemeinsam das Heimatmuseum. Dann erwartete uns der Bütower Bürgermeister im repräsentativen Porträtsaal in der Burg. Hier wurden wir sehr herzlich begrüßt. Der Bürgermeister freut sich immer über Besuch aus Deutschland und im besonderen der ehemaligen Einwohner seiner Stadt, deren Ansprechpartner er immer ist. Er möchte möglichst viel von der alten Bausubstanz in der Bütower Innenstadt historisch wieder aufbauen. Der Bürgermeister erwähnt das gute Verhältnis zu Frankenberg, der Patenstadt der Bütower. Im November finden Kommunalwahlen in Polen statt. Da eine Wiederwahl nur zweimal möglich ist, wird vielfach ein Wechsel bei unseren polnischen Ansprechpartnern zu befürchten sein. Die PKST-Präsidentin bedankte sich für die Einladung des Bürgermeisters, sie begrüßte ausdrücklich das gute Verhältnis der Bütower Stadtverwaltung mit Frankenberg und wünschte dem Bürgermeister alles Gute, vor allem eine Wiederwahl im November.
In Groß Tuchen folgten wir der Einladung eines Kirchenratsmitgliedes, das in seinem Garten eine riesige Kaffeetafel für uns gedeckt hatte und sich freute, dass wir seine Gäste waren. In Groß Tuchen besuchten wir zunächst den deutschen Gedenkstein auf dem evangelischen Friedhof und das rekonstruierte Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Dann kamen wir zum ehemaligen evangelischen Gotteshaus, das sich leider in einem desolaten Zustand befindet, denn diese Kirche wird heute nicht mehr genutzt. Die Messen finden alle in der kleineren katholischen Kirche statt. Horst Ludwig bemüht sich um den Erhalt seiner heimatlichen Kirche, in der er getauft und konfirmiert wurde. Unterstützt werden seine Bemühungen vom katholischen Pfarrer, der ebenfalls zugegen war und uns begrüßte. Wir konnten ihm eine kleine Spende für diese Kirche übergeben. Mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes "Geh aus mein Herz und suche Freud..." und unserem Pommernlied endete der Kirchenbesuch. Am nächsten Morgen ging unsere Fahrt zunächst zur Ostsee, nach Stolpmünde. Hier herrschte reges Badeleben, und selbst auf der inzwischen sehr schön ausgebauten Promenade war es beängstigend voll. So beschlossen wir bald nach "Charlottental" zu fahren, einem schon zu deutscher Zeit beliebten Ausflugsziel der Stolper, das uns von der Vorsitzenden des Heimatkreises Stolp, Isabel Sellheim, empfohlen wurde. Charlottental liegt etwas abseits des Dorfes Klein Strellin zwischen Stolp und Stolpmünde. In diesem Gasthof mit Hotel und vielseitigem Freizeitangebot, das in einem achtzig Hektar großen Gelände von Eichen- und Buchenwäldern umgeben liegt, machten wir Mittagsrast. Am letzten Abend fand im Arbeitszimmer Otto von Bismarcks der Abschiedsempfang statt. Bei einem Glas Sekt ließen wir diese Sommertagung noch einmal Revue passieren und mit einem Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass diese Tagung erfolgreich verlaufen ist. Die Präsidentin hat bereits mit Peter Manka den Termin für die 10. PKST-Sommertagung festgelegt, sie wird vom 15.-21.07.2007 stattfinden. Programmpunkte werden u.a. sein: Tagesfahrt in die Kaschubei, ein Tag in Stolp mit Besichtigung des Rathauses und Empfang beim Stadtpräsidenten, Besuch der Freizeitanlage "Charlottental" und Gottesdienst in Wussow. Bestimmt werden den beiden Ausrichtern Margrit Schlegel und Peter Manka noch einige Überraschungen dazu einfallen. Übrigens ist das neue Varziner Heft Nr. 5 mit Berichten der PKST-Sommertagungen der Jahre 2004 und 2005 erschienen. Es kann zum Preis von € 4,50 bezogen werden bei: Margrit Schlegel, Winsterstr. 41 a, 45481 Mülheim,Tel: 0208-485950, Fax: 0208-4668777. Eine erlebnisreiche Tagung in der Heimat bei herrlichem Sommerwetter ging zu Ende. Mit dem Wunsch sich im nächsten Jahr in Varzin wiederzusehen verabschiedeten wir uns. |